Energetische Sanierung
Fassade energetisch sanieren mit vorgefertigten Holzelementen
Wie vorgefertigte Holzfassadenelemente einen Altbau energetisch sanieren: Laserscan, Aufbau, Montage, Bauphysik, Förderung und Grenzen.

Wer eine Fassade energetisch sanieren will, denkt meist an Dämmplatten, die auf der Baustelle an die Wand geklebt und verputzt werden. Es gibt einen zweiten Weg: Geschosshohe Holzrahmenelemente, in denen Dämmung, neue Fenster und die äußere Bekleidung bereits stecken, werden in einer Halle vorgefertigt und mit dem Kran vor die alte Wand gesetzt. Fachleute sprechen von serieller Sanierung. Ein bekanntes Beispiel ist das niederländische Energiesprong-Prinzip, nach dem dort 2014 die ersten Reihenhäuser saniert wurden. An die fertige Wand stellt das Gebäudeenergiegesetz dieselbe Anforderung wie an jede andere Außendämmung.
Was bedeutet energetische Sanierung mit Holzfassadenelementen?
Gemeint ist eine Außendämmung, die nicht auf der Baustelle entsteht, sondern als fertiges Bauteil ankommt. Ein Element besteht aus einer Rahmenkonstruktion, meist aus Holz, seltener aus Stahl, aus der Dämmschicht, den neuen Fenstern und Türen sowie der neuen Oberfläche der Fassade. Die Wikipedia-Darstellung des Energiesprong-Prinzips nennt als Beispiel Elemente von der Höhe eines Stockwerks und rund sieben Metern Breite. Die alte Wand bleibt stehen und trägt das Haus weiter; die neue Schicht legt sich wie ein Mantel davor.
Für das Ergebnis gilt deshalb dieselbe Regel wie für jede Dämmung, die außen auf eine bestehende Wand kommt. Nach Anlage 7 des Gebäudeenergiegesetzes darf der Wärmedurchgangskoeffizient einer so erneuerten Außenwand bei Wohngebäuden höchstens 0,24 W/(m²K) betragen. Ausgenommen sind Wände, die nach dem 31. Dezember 1983 unter Einhaltung energiesparrechtlicher Vorschriften errichtet oder erneuert wurden. Das Verfahren ändert also nicht das Ziel, sondern den Weg dorthin.
Wie ist ein Holzfassadenelement aufgebaut?
Den Kern bildet ein Rahmen aus Holzständern, wie er aus dem Holzrahmenbau bekannt ist. Die Zwischenräume, die Gefache, werden mit Dämmstoff gefüllt. Infrage kommen Zellulose, Holzfasern oder Mineralwolle, je nachdem, welche Anforderungen an Brandschutz und Feuchteverhalten gestellt werden. Welche Kennwerte diese Materialien mitbringen, zeigt der Vergleich der gängigen Dämmstoffe. Nach außen schließt eine Platte das Element ab, darauf folgt die Wetterschicht: eine hinterlüftete Bekleidung aus Holz, Faserzement oder Metall oder ein Putzsystem.
Die Fenster sitzen bereits im Element und werden unter Hallenbedingungen eingebaut und angeschlossen. Manche Hersteller integrieren zusätzlich Rollläden, Lüftungsleitungen oder Versorgungsleitungen, damit Kanäle nicht durch die Wohnungen geführt werden müssen. Zwischen der alten Wand und dem neuen Element bleibt eine Ausgleichsschicht. Sie nimmt die Unebenheiten des Bestands auf und muss lückenlos gefüllt sein, damit hinter dem Element keine Luft zirkuliert und Wärme ungenutzt abführt.
Vom Laserscan zur Montage: wie läuft die Sanierung ab?
Der Kern des Unterschieds zur klassischen Dämmung liegt darin, dass die meiste Arbeit erledigt ist, bevor der erste Kran anrückt. Die Darstellung des Energiesprong-Prinzips beschreibt vier Schritte:
- Digitales Aufmaß. Ein 3D-Laserscanner erfasst die Fassade als Punktwolke. Darin zeigen sich die tatsächlichen Maße des Gebäudes mit allen Schiefstellungen, die ein altes Haus über die Jahrzehnte angenommen hat.
- Digitale Planung. Aus den Daten entsteht ein Modell, nach dem jedes Element millimetergenau geplant wird, mit Fensteröffnungen, Anschlüssen und Befestigungspunkten.
- Vorfertigung. Die Elemente werden in einer Fabrik gebaut, unabhängig vom Wetter und mit gleichbleibender Qualität der Anschlüsse.
- Montage. Ein Kran hebt die Elemente an die Wand. Befestigt werden sie zum Beispiel über Halterungen auf Höhe der Geschossdecken; alternativ können sie auf einem Betonfundament aufstehen.
Für die Montage selbst nennt die Darstellung kurze Zeiten: Bei Einfamilienhäusern seien Sanierungen in ein bis zwei Tagen möglich. Muss innerhalb der Wohnungen nichts an der Anlagentechnik umgebaut werden, kann die Sanierung im bewohnten Zustand erfolgen. Im Idealfall verlässt dann niemand seine Wohnung.
Worin unterscheidet sich das Verfahren von WDVS und vorgehängter Fassade?
Alle drei Wege führen zu einer gedämmten Außenwand. Die Unterschiede liegen im Ort der Arbeit, im Planungsaufwand und in den Grenzen. Die beiden klassischen Systeme behandelt der Beitrag zur Fassadendämmung im Altbau ausführlich; die Tabelle stellt sie dem vorgefertigten Holzelement gegenüber.
| Merkmal | Wärmedämmverbundsystem | Vorgehängte hinterlüftete Fassade | Vorgefertigtes Holzelement |
|---|---|---|---|
| Wo entsteht die Dämmschicht? | Auf der Baustelle, Platte für Platte | Auf der Baustelle, mit Unterkonstruktion und Bekleidung | In der Halle, als fertiges Bauteil |
| Aufmaß | Klassisches Aufmaß | Klassisches Aufmaß | Digitales Aufmaß, etwa per 3D-Laserscan |
| Fenster | Getrennt getauscht und angeschlossen | Getrennt getauscht und angeschlossen | Im Element eingebaut |
| Arbeit am Gebäude | Vom Gerüst aus, Schicht für Schicht | Vom Gerüst aus, Schicht für Schicht | Montage fertiger Elemente per Kran |
| Typische Grenzen | Unebene oder feuchte Untergründe, Denkmalschutz | Höhere Kosten, größere Wandstärke | Planungsvorlauf, einfache Geometrie nötig, Platz für den Kran |
Das vorgefertigte Element verlagert Arbeit von der Baustelle in die Planung. Daraus folgt eine eigene Fehlerquelle: Ein ungenaues Aufmaß zeigt sich erst bei der Montage, wenn ein Element nicht passt. Das digitale Aufmaß ist deshalb keine Formalität, sondern die Grundlage des ganzen Verfahrens. Hinzu kommt die Logistik, denn die Elemente sind groß und schwer und brauchen eine Zufahrt für Lastwagen und einen Stellplatz für den Kran.
Für welche Gebäude eignen sich vorgefertigte Elemente?
Gut eignen sich vor allem Gebäude mit einfacher, sich wiederholender Geometrie: Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser mit glatten Fassaden, regelmäßigen Fensterachsen und wenigen Vorsprüngen. In den Niederlanden wurden überwiegend Einfamilien- und Reihenhäuser saniert, in Deutschland liegt der Schwerpunkt auf Mehrfamilienhäusern, typischerweise aus den 1950er bis 1980er Jahren. Das erste deutsche Pilotprojekt nach dem Energiesprong-Prinzip wurde 2020 in Hameln fertiggestellt.
Nach derselben Darstellung beschränken die ausführenden Generalübernehmer die Auswahl auf Gebäude mit einfacher Kubatur; genannt werden unter anderem höchstens vier Geschosse, wenig Verschattung und ein zentrales Heizsystem. Schwieriger wird es bei Fassaden mit Erkern, Stuck oder auskragenden Balkonplatten und bei Denkmälern, deren Erscheinungsbild erhalten bleiben muss. Für solche Gebäude bleiben die klassischen Systeme oder eine Innendämmung die naheliegenden Lösungen.
Was ist bei Feuchte, Luftdichtheit und Brandschutz zu beachten?
Bauphysikalisch wird die alte Wand durch die neue Schicht zur warmen, inneren Seite der Konstruktion. Damit Feuchte, die aus dem Innenraum in die Wand gelangt, wieder austrocknen kann, sollte der Aufbau nach außen hin zunehmend diffusionsoffen sein. Eine Schicht, die außen dichter ist als innen, kann Tauwasser im Element einschließen, und Holz verträgt dauerhafte Feuchte schlecht. Die Luftdichtheit übernimmt bei Mauerwerk in der Regel der vorhandene Innenputz. Entscheidend sind die Anschlüsse an Fenstern, Deckenrändern und Dach, die bei der Planung der Elemente mitgedacht werden müssen und auf der Baustelle kaum noch zu korrigieren sind.
Beim Brandschutz hängt viel von der Gebäudehöhe ab. Je höher ein Gebäude ist, desto strengere Anforderungen stellen die Bauordnungen der Länder an Außenwandbekleidungen und Dämmstoffe. Für Holzelemente an mehrgeschossigen Bauten gehört deshalb ein Brandschutzkonzept zur Planung; ob und wo zum Beispiel Brandsperren zwischen den Geschossen nötig sind, legt dieses Konzept fest und nicht der Elementbauer allein.
Was kostet die Sanierung mit Holzfassadenelementen, und welche Förderung gibt es?
Allgemeingültige Preise pro Quadratmeter lassen sich für dieses Verfahren kaum angeben, weil die Kosten stark von der Größe des Projekts, der Zahl gleichartiger Elemente und dem Umfang der mitgelieferten Technik abhängen. Die Wikipedia-Darstellung hält fest, dass die deutschen Pilotprojekte nach damaliger Einschätzung nur mit Mitteln eines EU-Programms finanzierbar waren und dass Förderung nötig bleibt, bis serielles Sanieren günstiger ist als die herkömmliche Sanierung.
Ein wichtiger Hebel ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude. Die KfW nennt für ihren Wohngebäude-Kredit zur Sanierung zum Effizienzhaus (Programme 261 und 262) einen zusätzlichen Tilgungszuschuss von bis zu 15 Prozent für die serielle Sanierung. Wie hoch er ausfällt, hängt von der erreichten Effizienzhaus-Stufe ab, und maßgeblich sind die Bedingungen, die bei Antragstellung gelten. Was die einzelnen Stufen verlangen, erklärt der Überblick über die Gebäudeenergie-Standards. Wie bei den meisten Förderprogrammen muss der Antrag vor Beginn der Arbeiten gestellt werden.
Häufige Fragen zur Sanierung mit Holzfassadenelementen
Ist Holz an der Fassade nicht anfällig für Feuchte?
Holz verträgt kurzzeitige Feuchte, aber keine dauerhafte. Deshalb schützt eine Wetterschicht das Element, und der Aufbau wird so geplant, dass eingedrungene Feuchte nach außen abtrocknen kann. Die Vorfertigung hilft dabei, weil Dämmung und Anschlüsse in der trockenen Halle eingebaut werden und nicht im Regen auf der Baustelle.
Müssen die Bewohner während der Sanierung ausziehen?
Nicht zwingend. Weil die Elemente von außen montiert werden, kann die Sanierung im bewohnten Zustand erfolgen, solange innerhalb der Wohnungen nichts an der Anlagentechnik umgebaut werden muss. Nach der Beschreibung des Energiesprong-Prinzips kann die gesamte Bauzeit gegenüber einer herkömmlichen Sanierung um 18 bis 44 Prozent sinken.
Erfüllt eine Fassade aus Holzelementen das Gebäudeenergiegesetz?
Ja, wenn sie richtig dimensioniert ist. Für eine Außenwand, die außen gedämmt oder bekleidet wird, verlangt das Gebäudeenergiegesetz bei Wohngebäuden einen Wärmedurchgangskoeffizienten von höchstens 0,24 W/(m²K). Wie die Dämmschicht entsteht, spielt dafür keine Rolle. Wer eine Förderung als Effizienzhaus anstrebt, wird nicht am einzelnen Bauteil gemessen, sondern am ganzen Gebäude; welche Wanddämmung dafür nötig ist, ermittelt die Energieberatung.
Steckbrief: serielle Sanierung mit Holzelementen
Verfahren: vorgefertigte, geschosshohe Fassadenelemente aus Holz- oder Stahlrahmen mit Dämmung, Fenstern und Bekleidung. Herkunft: Energiesprong-Prinzip aus den Niederlanden, erste Reihenhäuser 2014, erstes deutsches Pilotprojekt 2020 in Hameln. Ablauf: 3D-Laserscan, digitale Planung, Vorfertigung, Montage per Kran. Anforderung: Außenwand nach Anlage 7 des Gebäudeenergiegesetzes höchstens 0,24 W/(m²K). Förderung: bis zu 15 Prozent zusätzlicher Tilgungszuschuss im KfW-Wohngebäude-Kredit (261 und 262), abhängig von der Effizienzhaus-Stufe.